Mittwoch, 27. März 2013

DIE ERSTEN FRAGEN


Die erste Frage zum Thema lautet meistens:

"Waaas, Du bist Buddhistin???"

Die Antwort hierauf ist noch recht einfach:

"Ja."

Darauf folgt zwingend:

"Seit wann?"

Hier wird es schon schwieriger.
Bevor ich antworten kann, muss ich mich selbst fragen: "Wann vollzog sich die Wandlung von "Ich interessiere mich für fernöstliche Philosophie" hin zu "Ich bin Buddhistin"?"
Wer meint, mein Leben hätte eine plötzlichen Wende erfahren und dass ich vielleicht abenteuerliche Bekehrungsgeschichten zu erzählen hätte, a la Saulus-wird-zum-Paulus-nachdem-der-Engel-des-Herrn-ihn-niederwirft, den bzw. die muss ich enttäuschen.
Kein einschneidendes Erlebnis sondern viele kleine Schritte prägten meinen Weg.

Über viele Jahre hinweg erklärte ich im Freundeskreis, ich könnte "niemals" Buddhistin werden, weil mich der Taoismus zu sehr anspräche und umgekehrt könnte ich "niemals" Taoistin werden, weil mich der Buddhismus zu sehr anspräche. Natürlich begann ich irgendwann Bücher aus dem Zen-Regal der Buchhandlung zu ziehen, beschäftigte mich mit Haikus und Zen-Philosophie. Aber es blieb sehr lange ein rein theoretische Sache, das Interesse blieb auf der intellektuellen Oberfläche. Zumal mir manche Bücher ein falsches Bild vermittelten. Ich dachte nach der Lektüre mancher Standardwerke, dass Zen in der Praxis nichts für mich wäre, denn mich täglich viele Stunden in Stille Meditation zu versenken, das schien mir nicht das zu sein, wonach ich suchte. Wonach suchte ich? Ich konnte es nicht sagen.
Erst als ich über den Umweg Selbstverteidigung-Kampfsport-Kampfkunst mit der Shaolinkultur in Berührung kam, erfuhr ich, dass Chan (die chinesische Urform des Zen) keinesfalls nur auf stille, sitzende Mediation baut, sondern, im Gegenteil, dass Formen bewegter Meditation zu denen Quigong, Taichi und, mit richtiger innerer Haltung praktiziert, sogar Kungfu zählen, eine zentrale Stellung einnehmen. (Aha! Aber komisch, wieso erwähnt Suzuki den Namen "Shaolin" nichtmal in seiner Einführung, obwohl er doch über Bodhidharma schreibt, der dort gewirkt hat...?)

Im Tempel angekommen zieht man am besten nicht nur die Schuhe, sondern auch das angelesene Bücherwissen aus und wagt einen Neuanfang mit offenem Herzen. Stellt fest, wie gut es tut, "einfach mal" ( ;-) ) aus dem Denken auszusteigen, sich aus der Dominanz des Verstandes zu befreien und tief durchzuatmen.
Vielleicht spürt man auch, was für ein erhebendes Gefühl schon einfachste Übungen bringen können (Wozu nehmen Menschen Drogen, wenn man doch schon allein durch konzentriert durchgeführte Atemübungen regelrecht high werden kann? Nicht dass das der höhere Zweck von Meditation wäre, aber man braucht ja jenen, die Drogen nötig haben, nicht zu verschweigen, dass sich auch ohne dieselbigen außergewöhnliche Erfahrungen machen lassen.)


Doch zurück zur Eingangs gestellten Seit-Wann-Frage. Manchmal taucht sie auch auf in Form von:

"Seit wann bist du denn gläubig?"

Da zucke ich immer ein wenig zusammen. Ich nehme mich selbst als "Praktizierende" wahr. "Gläubig", das klingt so sehr nach jenem blinden Glauben, den so manche Religionen ihren Anhängern abverlangen und der doch in Wahrheit ein Hindernis für spirituellen Fortschritt darstellt. Weil er Menschen von ihrer eigenen Intuition, ihrem eigenen Verstand, ihrer eigenen Einsicht entfremdet.

"Ich bin Buddhistin, aber ich bezeichne mich nicht als gläubig." So eine Richtigstellung klingt vielleicht ein bisschen wortklauberisch... man weiss ja, was gemeint ist, nicht wahr?

Also seit wann?

Sagen wir mal, meine Guiyi-Prüfung (Zufluchtname) fand im September 2012 statt. Seit diesem Zeitpunkt gibt es mich nicht nur als "Melanie Marschnig" oder "melamar" sondern auch als "Shi Yan Qing". Der Anfang des Weges war das nicht, aber sehr wohl eine ganz besondere Etappe.