Sonntag, 17. November 2013

HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN


Was ist das für ein Gewand das du da trägst?

Dieses schwarze Gewand, das ich trage, wenn ich an buddhistischen Zeremonien teilnehme, ist eine sogenannte Zeremonienrobe, auf chinesisch „Haiqing“ (海青)

Soll ich so etwas auch anziehen, wenn ich an Zeremonien teilnehme und wenn ja, wo kann ich das kaufen?

Nein. Dieses Gewand bekommen Schüler/innen im Rahmen ihrer „Guiyi-Prüfung“.
Shaolin-Sangha / Guiyi-Prüfung, Wien, 2012
mit dem ehrwürdigen Abt Shi Yongxing


Was heisst „Guiyi-Prüfung“?

Mit „Guiyi-Prüfung“ wird hier das bezeichnet, was im allgemeinen als „Zufluchtnahme und Laien-Gelöbnis“ oder (für Zahlenliebhaber) als „dreifache Zufluchtnahme und fünfteiliges Laien-Gelöbnis“ bezeichnet wird.
Gleichzeitig wird man Schüler/in des Shaolin-Tempels und erhält einen buddhistischen Namen.
Dies findet im Rahmen einer feierlichen Zeremonie statt.

Was bedeutet „dreifache Zufluchtnahme“ und was bedeutet „Laien-Gelöbnis“?

Als „dreifache Zufluchtnahme“ bezeichnet man die Zufluchtnahme zu den „drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha“ (auch „drei Kostbarkeiten“ oder „drei Schätze“ genannt).

Im Rahmen des „Laien-Gelöbnisses“ nimmt man die „Fünf Silas“ an. Das sind die ethischen Grundregeln des Buddhismus.

1. Nicht töten
2. Nicht stehlen
3. Verantwortungsvoller Umgang mit der Sexualität
4. Nicht lügen
5. Kein Alkohol bzw. kein Konsum bewusstseinstrübender Substanzen

Ist das so etwas wie ein Gelübde?

Im Grunde genommen ja. Es gibt auch den Ausdruck Laien-Gelübde. Manchen klingt der Begriff „Gelübde“ zu streng oder zu christlich geprägt, deshalb ziehen sie den Begriff „Gelöbnis“ vor. Oder eben das aus dem Chinesischen importierte „Guiyi-Prüfung“. Es geht nicht um ein krampfhaftes, blindes Befolgen von Regeln, sondern mehr darum, sich aufgrund persönlicher Einsicht in eine gesunde Richtung zu bewegen. Der Buddhismus betont die Eigenverantwortung des Menschen.

Bist du jetzt eine Nonne?

Nein. Deshalb heisst es Laien-Gelöbnis. Außerdem würde ich, wenn ich eine Nonne wäre, nicht die schwarze sondern die orange Robe tragen.

Und kannst du das mit der „Dreifachen Zufluchtnahme“ noch einmal erklären?

Natürlich...

Buddha“ bedeutet wörtlich „der Erwachte“. Es ist eigentlich kein Name, sondern die Ehrenbezeichnung für einen Menschen, der volle Verwirklichung, Erleuchtung, erlangt hat.
Oft, und auch in diesem Kontext, wird damit Buddha Shakyamuni bezeichnet, der Gründer des Buddhismus, der genau genommen Siddharta Gautama hieß und vor ca 2500 Jahren in Nordindien (bzw. im Gebiet des heutigen Nepal) lebte.

Dharma“ ist ein sehr vielschichtiger Begriff. Vordergründig bedeutet er soviel wie „Lehre“ oder „Wissen“.

Sangha“ heisst „Gemeinschaft“, hier bezieht sich der Begriff auf die buddhistische Gemeinschaft, deren Teil man durch die Zufluchtnahme wird.

Die „Dreifache Zufluchtnahme“ bedeutet zuerst einmal, sich dem Buddhismus zuzuwenden, von Buddha Shakyamuni und seinen Weisheitslehren zu profitieren und Teil der buddhistischen Gemeinschaft zu werden.

Auf einer tieferen Ebene wird „Zufluchtnahme“ zur „Zufluchtnahme zum eigenen Geist “ oder „Zufluchtnahme zum eigenen Wesen“. Dies beruht auf der Überzeugung, dass die „Buddha-Natur“ in uns bereits vorhanden ist und deshalb jeder Mensch intuitiv in sich selbst Weisheit und Befreiung finden kann.

Der bedeutende Chan-Meister Hui Neng, der im 7./8. Jahrhundert in China lebte, bemerkte:

Ich empfehle euch, verehrte Zuhörer, euch zu den Drei Kostbarkeiten des eigenen Wesens zu bekennen. Buddha, das ist Erleuchtung. Dharma, das ist Wahrheit. Sangha, das ist Reinheit.“ (Schirner Verlag, 2008, S. 109)

Mit dem eigenen Geist zum eigenen Wesen Zuflucht zu nehmen (zurückkehren) bedeutet zum wahren Buddha Zuflucht zu nehmen.“ (Schirner Verlag, 2008, S. 118)

Den Buddha-Weg erforschen bedeutet sich selbst erforschen.“ (Schirner Verlag, 2008, S. 124)

Die Weisheit entsteht aus dem eigenen ursprünglichen Wesen und kommt nicht von außerhalb.“ (Schirner Verlag, 2008, S. 129)

Kannst du mehr über Hui Neng erzählen?

Ja, aber an anderer Stelle. Hui Neng ist ein Thema für sich.

Und Buddha Shakyamuni hat dann den Buddhismus in den Shaolin-Tempel nach China gebracht?

NEIN, NEIN, NEIN!!! Das hat etwa 1000 Jahre später, also vor ca 1500 Jahren, der indische Mönch Bodhidharma (Chinesisch: „Damo“) getan. Vor 2500 Jahren gab es außerdem noch keinen Shaolin-Tempel.

Kannst du etwas über Bodhidharma erzählen?

Ja gerne, aber nicht an dieser Stelle. Über ihn soll eine eigene Seite entstehen.

Und über Buddha Shakyamuni?

Ja, gerne. Aber auch das ist ein zu großes Thema um es hier an dieser Stelle abzuhandeln. Er soll hier in einer eigenen Seite gewürdigt werden.


OMITUOFO!


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